Bienenwachs
Bienenwachs ist ein tierisches Wachs, das Arbeitsbienen aus Drüsen am Hinterleib ausscheiden, um damit die Waben zu bauen. Es schmilzt bei 62 bis 65 °C und ist damit das hitzebeständigste der gängigen Kerzenwachse. Chemisch ist es ein komplexes Gemisch aus rund 300 Einzelstoffen — überwiegend Ester (etwa 70 bis 75 Prozent), dazu Kohlenwasserstoffe (12 bis 16 Prozent) und freie Fettsäuren (13 bis 15 Prozent).
Woher es kommt
Bienenwachs ist kein Pflanzenprodukt und kein Nebenprodukt der Honigernte im engeren Sinn, sondern ein Baustoff: Arbeitsbienen schwitzen es über Wachsdrüsen aus und formen daraus die Waben. Frisch ausgeschwitzt ist es nahezu weiß; die typisch gelbe Farbe entsteht erst durch eingelagerte Pollenfarbstoffe und Propolis.
Das beantwortet auch die häufigste Frage dazu: Bienenwachs ist nicht vegan. Es stammt von einem Tier, unabhängig davon, wie schonend die Imkerei arbeitet.
Eigenschaften in der Kerze
- Schmelzpunkt 62 bis 65 °C. Deutlich höher als Sojawachs — deshalb formstabil und für freistehende Kerzen geeignet.
- Eigengeruch. Bienenwachs riecht von sich aus nach Honig und Wabe. Das ist für reine Bienenwachskerzen ein Vorteil und für Duftkerzen ein Nachteil: Der Eigengeruch überlagert feine Duftkompositionen.
- Lange Brenndauer durch den hohen Schmelzpunkt.
- Preis. Bienenwachs ist der mit Abstand teuerste der gängigen Kerzenrohstoffe, weil die verfügbare Menge an der Imkerei hängt und nicht an einer Produktionsanlage.
- Weißer Belag. Der grauweiße Film auf gelagerten Bienenwachskerzen ist ausgeschwitztes Wachs und heißt Patina oder Ausblühung. Er ist ein Echtheitsmerkmal und lässt sich mit einem weichen Tuch oder warmer Luft entfernen.
Besser als anderes Wachs?
„Bienenwachskerzen sind gesünder" ist eine verbreitete Behauptung, die sich in dieser pauschalen Form nicht belegen lässt. Was sich sagen lässt: Jede Verbrennung setzt Partikel frei, und ob eine Kerze rußt, entscheidet in erster Linie das Zusammenspiel von Wachs, Dochtstärke und Zugluft — nicht die Rohstoffart allein. Für das Rußverhalten gibt es mit DIN EN 15426 ein genormtes Prüfverfahren, das genau diesen Vergleich messbar macht.
Kurz gesagt
- Tierisches Wachs aus den Wachsdrüsen der Arbeitsbiene — nicht vegan.
- Schmelzpunkt 62 bis 65 °C, das höchste der gängigen Kerzenwachse.
- Rund 300 Inhaltsstoffe, überwiegend Ester.
- Kräftiger Eigengeruch — für Duftkerzen eher hinderlich.
- Weißer Belag ist Ausblühung und ein Echtheitsmerkmal, kein Fehler.
Quellen
- Bienenwachs — Wikipedia (Entstehung, Zusammensetzung, Schmelzbereich)
- Rohstoffe für Kerzen, Verband der Deutschen Kerzenhersteller
- DIN EN 15426 — Rußverhalten von Kerzen, DIN
Verwandte Begriffe
Geprüft und geschrieben von Dennis Beichert, Kerzenmacher aus Hünfelden. Letzte Prüfung: 14.09.2026.