Kerzenruß
Kerzenruß ist unverbrannter Kohlenstoff — er entsteht, wenn die Flamme mehr Brennstoff bekommt, als sie mit dem verfügbaren Sauerstoff vollständig verbrennen kann. Die häufigsten Ursachen sind ein zu langer Docht und Zugluft, nicht das Wachs. Für das Rußverhalten von Kerzen gibt es ein genormtes Prüfverfahren: DIN EN 15426.
Wie Ruß entsteht
Eine Kerzenflamme ist eine Gasflamme. Das feste Wachs schmilzt, steigt im Docht auf, verdampft und verbrennt erst in der Gasphase. Dieses Gleichgewicht ist empfindlich: Zieht der Docht mehr Wachs nach, als die Flamme mit dem umgebenden Sauerstoff umsetzen kann, bleibt Kohlenstoff übrig. Der steigt als schwarzer Ruß auf.
Deshalb ist eine rußende Flamme immer ein Zeichen für ein gestörtes Gleichgewicht — und fast immer behebbar.
Was die Norm misst
DIN EN 15426 legt ein Prüfverfahren für das Rußverhalten von Kerzen für den Innenraum fest. Dabei wird der Ruß einer brennenden Kerze über einen definierten Zeitraum auf einer Glasplatte gesammelt. Anschließend wird in einer Messkammer bestimmt, wie stark die Ablagerung das Licht schwächt. Daraus ergibt sich ein Rußindex als Kennzahl für den geprüften Kerzentyp. Die Norm gilt für Kerzen mit einem Docht bis 100 mm Durchmesser.
Wichtig für die Einordnung: Der Index beschreibt einen Kerzentyp unter Prüfbedingungen. Was bei dir zu Hause passiert, hängt zusätzlich von Dochtlänge, Zugluft und Standort ab.
Die vier Ursachen, in der Reihenfolge ihrer Häufigkeit
- Docht zu lang. Eine große Flamme verdampft mehr Wachs, als sie verbrennen kann. Abhilfe: vor jedem Anzünden auf etwa 5 mm kürzen.
- Zugluft. Eine flackernde Flamme verbrennt unvollständig. Offene Fenster, Türen, Durchgänge und Ventilatoren meiden.
- Verrußter oder verkohlter Dochtkopf. Das schwarze Pilzköpfchen nach dem Abbrennen gehört abgeknipst, nicht weitergebrannt.
- Falsche Dochtstärke für das Wachs. Ein zu starker Docht für ein weiches Wachs rußt systematisch — das ist ein Herstellungsfehler, kein Anwendungsfehler.
Ruß entfernen
Rußablagerungen an Wand, Decke oder Glas sind feine Kohlenstoffpartikel. Trocken abnehmen statt verreiben: Ein trockenes Mikrofasertuch oder ein Schmutzradierer nimmt den Ruß auf. Wischen mit Wasser verteilt ihn dagegen und arbeitet ihn in poröse Oberflächen ein.
Ruß, Rauch und Feinstaub auseinanderhalten
Im Alltag werden drei Dinge in einen Topf geworfen, die verschiedene Ursachen haben:
- Ruß — sichtbare Kohlenstoffpartikel aus unvollständiger Verbrennung. Setzt sich als schwarzer Belag ab.
- Rauch — die sichtbare Fahne, meist beim Löschen. Sie besteht überwiegend aus kondensiertem Wachsdampf, der nicht mehr verbrennt, weil die Flamme fehlt. Deshalb raucht eine ausgepustete Kerze stärker als eine, deren Docht in das flüssige Wachs gedrückt wurde — siehe Warum Kerzen nicht auspusten.
- Feinstaub — überwiegend ultrafeine Partikel, die auch bei völlig ruß- und rauchfreiem Brennen entstehen. Sie sind unsichtbar. Details: Feinstaub durch Kerzen.
Praktisch heißt das: Eine Kerze, die nicht sichtbar rußt, ist deshalb nicht partikelfrei. Sichtbarkeit ist kein Maß für Belastung — sie sagt nur etwas über die Partikelgröße.
Kurz gesagt
- Ruß ist unverbrannter Kohlenstoff aus unvollständiger Verbrennung.
- Hauptursachen sind zu langer Docht und Zugluft, nicht das Wachs.
- DIN EN 15426 misst das Rußverhalten über einen Rußindex.
- Ruß erst trocken abnehmen, nie feucht verwischen.
- Ruß, Rauch und Feinstaub sind drei verschiedene Dinge — sichtbar heißt nicht viel.
Quellen
- Bessere Qualität und Sicherheit im Gebrauch von Kerzen — Rußverhalten (DIN EN 15426), DIN Deutsches Institut für Normung
- Feinstaub in Innenräumen, Umweltbundesamt
Verwandte Begriffe
- Docht kürzen
- Feinstaub durch Kerzen
- Normen für Kerzen
- Sind Duftkerzen schädlich?
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Geprüft und geschrieben von Dennis Beichert, Kerzenmacher aus Hünfelden. Letzte Prüfung: 14.09.2026.