Dochtgröße
Die richtige Dochtgröße ist die, bei der der Wachsspiegel innerhalb von zwei bis vier Stunden bis zum Rand des Gefäßes flüssig wird — nicht früher und nicht später. Sie hängt an drei Größen zugleich: Gefäßdurchmesser, Wachsart und Duftölanteil. Deshalb gibt es keine allgemeingültige Tabelle, die für jede Kerze stimmt; die passende Stärke wird für jede Rezeptur durch einen Brenntest ermittelt.
Die zwei Fehlerbilder
Docht zu dünn: Die Flamme bleibt klein, der Wachsspiegel erreicht den Rand nicht, und es entsteht ein Tunnel. Die Kerze brennt scheinbar sparsam, tatsächlich bleibt ein großer Teil des Wachses ungenutzt am Glas stehen.
Docht zu dick: Die Flamme ist groß und unruhig, das Wachs wird zu schnell flüssig, die Kerze rußt und das Glas wird unnötig heiß. Auch die Brenndauer sinkt spürbar.
Beides sind Herstellungsfehler, keine Anwendungsfehler. Wer eine Kerze kauft, die systematisch tunnelt oder rußt, hat es mit einer falsch abgestimmten Dochtstärke zu tun — daran ändert auch sorgfältiges Kürzen nichts.
Was die Wahl beeinflusst
- Gefäßdurchmesser. Die wichtigste Größe: Der Docht muss den gesamten Querschnitt aufschmelzen können.
- Wachsart. Ein Wachs mit höherem Schmelzbereich braucht mehr Energie, also einen stärkeren Docht.
- Duftölanteil. Duftöl verändert das Schmelz- und Brennverhalten. Mehr Duft heißt nicht automatisch mehr Duftwahrnehmung, aber fast immer ein verändertes Dochtverhalten.
- Farbstoffe und Zusätze. Auch sie wirken auf den Abbrand.
- Mehrere Dochte. Ab etwa 8 bis 10 cm Gefäßdurchmesser kommt ein einzelner Docht an seine Grenze; dann arbeitet man mit zwei oder drei.
Wie der Brenntest läuft
- Kerze mit der vermuteten Dochtstärke gießen und vollständig aushärten lassen.
- Docht auf etwa 5 mm kürzen, zugluftfrei anzünden.
- Nach zwei bis vier Stunden prüfen: Ist der Wachsspiegel bis zum Rand flüssig?
- Flamme beobachten: ruhig und tropfenförmig, etwa 2 bis 3 cm hoch, ohne Ruß.
- Glastemperatur prüfen: warm, aber anfassbar.
- Abweichung nach oben oder unten korrigieren und den Test wiederholen.
Kurz gesagt
- Richtwert: Wachsspiegel in zwei bis vier Stunden bis zum Rand flüssig.
- Zu dünn führt zu Tunnelbildung, zu dick zu Ruß und heißem Glas.
- Entscheidend sind Durchmesser, Wachsart und Duftölanteil zusammen.
- Keine Tabelle ersetzt den Brenntest je Rezeptur.
Quellen
- Docht — Wikipedia
- DIN EN 15426 — Rußverhalten von Kerzen, DIN
- DIN EN 15493 — Feuersicherheit von Kerzen, DIN Verbraucherrat
Verwandte Begriffe
- Kerzendocht
- Tunnelbildung und Wachsspiegel
- Docht kürzen
- Schmelzpunkt von Kerzenwachs
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Geprüft und geschrieben von Dennis Beichert, Kerzenmacher aus Hünfelden. Letzte Prüfung: 14.09.2026.