Wachsmenge berechnen

Die benötigte Wachsmenge für ein Gefäß ermittelt man am zuverlässigsten mit der Wassermethode: Gefäß bis zur gewünschten Füllhöhe mit Wasser füllen, das Wasser wiegen und das Gewicht mit der Dichte des Wachses multiplizieren. Wachs ist leichter als Wasser, deshalb passt weniger Gramm Wachs in ein Glas als Gramm Wasser. Für die gängigen Kerzenwachse liegt der Faktor bei etwa 0,9 — aus 200 Gramm Wasser werden also rund 180 Gramm Wachs.

Die Wassermethode Schritt für Schritt

  1. Leeres Gefäß auf die Waage stellen und tarieren.
  2. Mit Wasser füllen bis zur Höhe, auf der später das Wachs stehen soll — nicht bis zum Rand. Üblich ist ein Abstand von einem halben bis einem Zentimeter unter der Kante.
  3. Gewicht ablesen. Ein Gramm Wasser entspricht einem Milliliter, die Anzeige ist also gleichzeitig das Füllvolumen.
  4. Mit 0,9 multiplizieren. Das Ergebnis ist die Wachsmenge in Gramm.
  5. Duftöl gesondert rechnen. Die Duftlast kommt zum Wachs hinzu, sie ist kein Teil davon. Siehe Duftöl-Dosierung.
  6. Gefäß trocknen. Restwasser im Glas ist der häufigste Grund für Lufteinschlüsse und Haftstellen am Rand.

Warum man nicht einfach Milliliter nehmen kann

Wachs wird in Gramm gekauft und portioniert, Gefäße werden in Millilitern angegeben. Beide Zahlen sehen ähnlich aus, meinen aber Verschiedenes: Der Milliliterwert ist ein Volumen, der Grammwert eine Masse. Umgerechnet werden sie über die Dichte. Wasser hat per Definition 1 Gramm je Milliliter, feste Kerzenwachse liegen darunter — deshalb schwimmt ein Wachsrest auch im Wasser, statt unterzugehen.

Wer den Faktor ignoriert und 200 Gramm Wachs für ein 200-Milliliter-Glas einplant, gießt über. Das ist der häufigste Rechenfehler beim ersten eigenen Guss.

Wo der Faktor 0,9 seine Grenze hat

0,9 ist ein Näherungswert für die üblichen Kerzenwachse im festen Zustand. Er ist genau genug, um ein Glas richtig zu füllen — aber er ist keine Sortenangabe. Die exakte Dichte steht im Datenblatt des jeweiligen Wachses, und sie verschiebt sich zusätzlich mit der Temperatur, weil sich Wachs beim Erstarren zusammenzieht.

Genau dieses Zusammenziehen ist auch der Grund, warum eine frisch gegossene Kerze nach dem Erkalten oft eine Mulde um den Docht hat. Das ist kein Mengenfehler, sondern Physik.

Für mehrere Kerzen auf einmal

Bei einer Serie wird die Menge je Gefäß einmal bestimmt und dann multipliziert, plus einem Aufschlag für das, was im Schmelzgefäß und am Rührstab hängen bleibt. Erfahrungsgemäß genügen fünf bis zehn Prozent Zugabe; wer knapp rechnet, hat beim letzten Glas zu wenig.

Kurz gesagt

  • Gefäß mit Wasser bis zur Füllhöhe wiegen, Gewicht mal 0,9 = Wachsmenge in Gramm.
  • Milliliter und Gramm sind nicht dasselbe — Wachs ist leichter als Wasser.
  • Duftöl kommt zur Wachsmenge hinzu, es ist kein Anteil davon.
  • Bei Serien fünf bis zehn Prozent Rest im Schmelzgefäß einplanen.

Quellen

Verwandte Begriffe

Geprüft und geschrieben von Dennis Beichert, Kerzenmacher aus Hünfelden. Letzte Prüfung: 14.09.2026.