Duftöl-Dosierung in Kerzen
Die Duftmenge in einer Kerze wird nicht in Tropfen gerechnet, sondern als Gewichtsanteil am Wachs — die sogenannte Duftlast. In der handwerklichen Praxis liegen übliche Duftkerzen zwischen etwa sechs und zehn Prozent: Auf 180 Gramm Wachs kommen dann rund 11 bis 18 Gramm Duftöl. Die tatsächliche Obergrenze gibt das Wachs vor, denn jedes Wachs kann nur eine begrenzte Ölmenge binden; darüber schwitzt die Kerze aus und der Docht verstopft.
Warum in Gramm und nicht in Tropfen
Ein Tropfen ist keine Maßeinheit. Seine Größe hängt an der Viskosität des Öls, an der Pipette und an der Temperatur — dieselbe Tropfenzahl kann je nach Öl das Doppelte an Masse bedeuten. Für ein reproduzierbares Ergebnis wird deshalb gewogen, nicht gezählt. Eine Waage mit 0,1-Gramm-Auflösung reicht dafür aus.
Gerechnet wird immer auf das Wachsgewicht, nicht auf das Gesamtgewicht der fertigen Kerze. Acht Prozent Duftlast auf 180 Gramm Wachs sind 14,4 Gramm Öl — die Kerze wiegt danach 194,4 Gramm, nicht 180.
Die Obergrenze kommt vom Wachs
Wachs bindet Öl nur bis zu einer sortenabhängigen Sättigung. Wird mehr eingerührt, bleibt der Überschuss frei im Gefüge und wandert an die Oberfläche: Die Kerze wird fettig-fleckig, bildet Tropfenspuren an der Glaswand und der Docht saugt sich mit reinem Öl voll, statt mit Wachs. Ergebnis ist eine rußende, unruhige Flamme bei gleichzeitig schwächerem Duft.
Mehr Duftöl bedeutet ab diesem Punkt also nicht mehr Duft, sondern weniger. Wo die Grenze genau liegt, steht im Datenblatt des Wachses; wer keines hat, tastet sich in Ein-Prozent-Schritten heran und lässt jede Probe vollständig aushärten, bevor er sie beurteilt.
Rechtlicher Rahmen
Für Duftstoffe gelten Höchsteinsatzmengen nach den IFRA-Standards. Kerzen fallen dort in die Kategorie der Produkte ohne beabsichtigten Hautkontakt. Welche Grenze für eine konkrete Duftmischung gilt, steht im IFRA-Zertifikat des jeweiligen Duftöls — das ist ein Dokument je Duft, keine allgemeine Prozentzahl.
Unabhängig davon greift die CLP-Verordnung (EG) Nr. 1272/2008: Enthält die Kerze deklarationspflichtige Duftstoffallergene über den Schwellenwerten, müssen sie gekennzeichnet werden. Wer selbst gießt und verkauft, braucht dafür die Angaben des Öllieferanten. Siehe Duftstoffallergene.
Duftlast ist nicht gleich Duftausbeute
Wie stark eine Kerze im Raum riecht, entscheidet sich nicht allein an der Menge. Die Einrührtemperatur, die Dochtgröße, die Aushärtezeit und die Raumgröße wirken mit — eine Kerze mit acht Prozent und passendem Docht riecht deutlich stärker als eine mit zwölf Prozent und zu kleinem Docht. Der Zusammenhang ist auf der Seite Duftausbeute auseinandergenommen.
Kurz gesagt
- Duftlast wird als Gewichtsanteil am Wachs gerechnet, nie in Tropfen.
- Handwerklich üblich sind etwa sechs bis zehn Prozent; die Obergrenze gibt das Wachs vor.
- Über der Sättigung schwitzt die Kerze aus und riecht schwächer, nicht stärker.
- Höchstmengen je Duft stehen im IFRA-Zertifikat, Allergene fallen unter die CLP-Verordnung.
Quellen
- IFRA Standards, International Fragrance Association
- Verordnung (EG) Nr. 1272/2008 (CLP), EUR-Lex
- Ätherische Öle — Wikipedia
Verwandte Begriffe
- Duftausbeute
- Kerzen selber machen
- Wachsmenge berechnen
- Duftstoffallergene
- Ätherische Öle und Duftöle
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Geprüft und geschrieben von Dennis Beichert, Kerzenmacher aus Hünfelden. Letzte Prüfung: 14.09.2026.