Duftkerzen und Katzen

Katzen können bestimmte Duftstoffe schlechter abbauen als Menschen und Hunde, weil ihnen ein Entgiftungsenzym der Leber fehlt. Das Gen UGT1A6, das bei anderen Säugetieren Phenole wasserlöslich macht und damit ausscheidbar, ist bei allen Katzenartigen ein funktionsloses Pseudogen. Deshalb gilt für Katzenhaushalte eine einfache Regel: ätherische Öle mit hohem Phenol- oder Terpenanteil meiden, den Raum lüftbar halten und der Katze immer die Möglichkeit lassen, ihn zu verlassen.

Warum Katzen anders sind als Hunde

Der Abbau vieler Fremdstoffe läuft über die sogenannte Glucuronidierung: Die Leber hängt einen Zuckerrest an das Molekül, macht es damit wasserlöslich und scheidet es aus. Das dafür zentrale Enzym ist die UDP-Glucuronosyltransferase 1A6.

Bei Katzen ist das zugehörige Gen ein Pseudogen — es existiert, ist aber funktionslos. Court und Greenblatt haben das im Jahr 2000 molekulargenetisch nachgewiesen. Eine spätere Arbeit datiert die Fixierung dieses Defekts auf einen Zeitraum vor 35 bis 11 Millionen Jahren und fand ihn bei allen heute lebenden Katzenartigen; betroffen sind ausschließlich Arten mit einem Fleischanteil von über 70 Prozent in der Nahrung. Der Defekt ist also kein Zufall, sondern eine evolutionäre Folge der reinen Fleischernährung — Pflanzenstoffe wie Phenole kamen im Speiseplan schlicht kaum vor.

Praktische Folge: Stoffe, die ein Mensch innerhalb von Stunden ausscheidet, können sich bei einer Katze anreichern.

Welche Stoffe kritisch sind

Als besonders problematisch gelten ätherische Öle mit hohem Phenol- oder Monoterpengehalt. In der tiermedizinischen Literatur werden regelmäßig genannt: Teebaumöl, Eukalyptus, Pfefferminze, Zimt, Thymian, Oregano und Wintergrün.

Der häufigste Aufnahmeweg ist nicht die Atemluft, sondern das Fell: Setzt sich Öl auf dem Fell ab, nimmt die Katze es beim Putzen über die Schleimhäute auf. Deshalb sind Zerstäuber, Diffusoren und direkter Hautkontakt deutlich kritischer zu bewerten als eine Kerze im gelüfteten Raum.

Eine Kerze ist kein Diffusor — aber auch kein Freibrief

Wichtig für die Einordnung: Eine brennende Duftkerze gibt Duftstoffe in deutlich geringerer Konzentration an die Raumluft ab als ein Öl, das unverdünnt zerstäubt oder auf Fell und Haut aufgetragen wird. Die dokumentierten Vergiftungsfälle betreffen ganz überwiegend direkte Aufnahme.

Daraus folgt weder Entwarnung noch Panik, sondern Umsicht. Die Belastung lässt sich steuern, und genau das ist der Punkt.

Regeln für Katzenhaushalte

  • Tür offen lassen. Die Katze muss den Raum jederzeit verlassen können. Ein Tier, das ausweichen kann, reguliert selbst.
  • Nicht im Rückzugsraum. Keine Duftkerze dort, wo die Katze schläft oder frisst.
  • Lüften während und nach dem Abbrennen.
  • Kein direkter Kontakt. Flüssiges Wachs, Duftöle und Zerstäuber außerhalb der Reichweite.
  • Offene Flamme nie unbeaufsichtigt — bei Katzen im Haushalt gilt das doppelt, Schwanz und Flamme sind eine schlechte Kombination.
  • Bei Symptomen sofort zum Tierarzt. Beschrieben werden Erbrechen, Speicheln, Taumeln, Zittern, Unruhe oder Teilnahmslosigkeit.

Kurz gesagt

  • Katzen fehlt das Enzym UGT1A6 — belegt, das Gen ist ein Pseudogen.
  • Phenole und Terpene werden dadurch langsamer abgebaut und können sich anreichern.
  • Hauptaufnahmeweg ist das Fell beim Putzen, nicht die Atemluft.
  • Kerze im gelüfteten Raum mit offener Tür ist steuerbar, Zerstäuber und Hautkontakt sind es nicht.

Quellen

Verwandte Begriffe

Geprüft und geschrieben von Dennis Beichert, Kerzenmacher aus Hünfelden. Letzte Prüfung: 14.09.2026. Dieser Text ersetzt keine tierärztliche Beratung.