Sind Duftkerzen schädlich?

Beim Abbrennen jeder Kerze entstehen Feinstaubpartikel — auch bei Duftkerzen, auch bei hochwertigen. Das Umweltbundesamt zählt brennende Kerzen ausdrücklich zu den Innenraumquellen für Feinstaub; die Anzahl der kleinsten Partikel im Raum kann sich dabei um das Zehn- bis Zwanzigfache erhöhen. Wie stark eine einzelne Kerze belastet, hängt nicht vom Preis ab, sondern von vier Dingen: Dochtlänge, Zugluft, Raumgröße und Lüftungsverhalten.

Was tatsächlich gemessen wurde

Feinstaub im Innenraum stammt nicht nur von draußen. Das Umweltbundesamt nennt als Innenraumquellen unter anderem Rauchen, Kochen und Braten, offene Kamine, Staubsaugen ohne Feinfilter — und brennende Kerzen. Entscheidend ist dabei die Partikelanzahl, nicht die Masse: Die freigesetzten Teilchen sind überwiegend ultrafein und wiegen fast nichts, sind aber zahlreich.

Das ist der ehrliche Teil der Antwort, und er gilt für jede Kerze auf dem Markt. Wer behauptet, seine Kerze setze keinen Feinstaub frei, sagt etwas über Marketing aus, nicht über Verbrennung. Was sich beeinflussen lässt, ist die Menge.

Ruß: der Teil, den eine Norm misst

Für das Rußverhalten von Kerzen gibt es ein europäisch genormtes Prüfverfahren: DIN EN 15426. Dabei wird der Ruß, den eine Kerze über einen festgelegten Zeitraum abgibt, auf einer Glasplatte gesammelt; aus der Lichtschwächung durch die Ablagerung wird ein Rußindex berechnet. Die Norm gilt für Kerzen mit einem Docht bis 100 mm Durchmesser für den Innenraum. Für die Feuersicherheit gilt parallel DIN EN 15493.

Praktisch heißt das: Ruß ist keine Geschmacksfrage, sondern messbar — und er entsteht vor allem dann, wenn die Flamme flackert oder zu groß ist. Beides ist beeinflussbar.

Duftstoffe und Allergene

Duftstoffe sind der zweite Punkt, und er betrifft Allergiker. Die EU regelt Einstufung und Kennzeichnung gefährlicher Stoffe über die CLP-Verordnung (EG) Nr. 1272/2008. Eine Reihe von Duftstoffen gilt als bekanntes Kontaktallergen und ist deshalb kennzeichnungspflichtig, damit Betroffene das Produkt erkennen und meiden können.

Wer auf Duftstoffe reagiert, erkennt das meist schnell: Kopfschmerzen oder gereizte Schleimhäute treten während oder kurz nach dem Abbrennen auf. Dann hilft kein Qualitätsargument, sondern nur Lüften und ein anderer Duft — oder gar keiner.

Was die Belastung tatsächlich senkt

  • Docht vor jedem Anzünden auf etwa 5 mm kürzen. Ein zu langer Docht erzeugt eine große, flackernde Flamme — und damit Ruß.
  • Zugluft vermeiden. Offene Fenster, Türen und Durchgänge bringen die Flamme zum Flackern; unvollständige Verbrennung ist die Hauptursache für Ruß.
  • Raumgröße beachten. Mehrere Kerzen in einem kleinen, geschlossenen Raum summieren sich.
  • Nach dem Löschen lüften. Der Moment direkt nach dem Auspusten setzt sichtbaren Rauch frei — deshalb besser löschen als auspusten.
  • Nicht im Schlafzimmer durchbrennen lassen und niemals unbeaufsichtigt.

Kurz gesagt

  • Jede brennende Kerze setzt Feinstaub frei — das ist Verbrennung, keine Produktfrage.
  • Ruß ist über DIN EN 15426 messbar und hängt vor allem an Dochtlänge und Zugluft.
  • Duftstoffallergene sind über die CLP-Verordnung kennzeichnungspflichtig.
  • Wirksam gegen Belastung: kurzer Docht, keine Zugluft, lüften, nicht auspusten.

Quellen

Verwandte Begriffe

Geprüft und geschrieben von Dennis Beichert, Kerzenmacher aus Hünfelden. Letzte Prüfung: 14.09.2026.