Feinstaub durch Kerzen
Brennende Kerzen zählen laut Umweltbundesamt zu den relevanten Innenraumquellen für Feinstaub — die Anzahl der kleinsten Partikel im Raum kann sich dabei um das Zehn- bis Zwanzigfache erhöhen. Entscheidend ist dabei die Partikelanzahl, nicht das Gewicht: Die freigesetzten Teilchen sind überwiegend ultrafein und wiegen fast nichts, treten aber in großer Zahl auf. Deshalb kann eine Messung, die nur Masse erfasst, die Belastung unterschätzen.
Anzahl oder Masse — der Unterschied, der alles erklärt
Feinstaub wird üblicherweise nach Größenklassen angegeben: PM10 für Partikel unter 10 Mikrometer, PM2,5 für Partikel unter 2,5 Mikrometer. Beide Werte sind Massenkonzentrationen in Mikrogramm pro Kubikmeter.
Verbrennungspartikel aus einer Kerzenflamme sind deutlich kleiner als 0,1 Mikrometer — sogenannter Ultrafeinstaub. Millionen solcher Teilchen wiegen zusammen fast nichts. In einer reinen Massenmessung erscheinen sie deshalb unauffällig, während die Partikelanzahl stark steigt. Genau das ist der Grund, warum Kerzen in der öffentlichen Wahrnehmung weniger Aufmerksamkeit bekommen als Verkehr oder Industrie, obwohl sie im Innenraum eine bedeutende Quelle sind.
Kerzen im Vergleich zu anderen Innenraumquellen
Das Umweltbundesamt nennt als Innenraumquellen für Staub unter anderem Rauchen, Kerzen, Staubsaugen ohne Feinfilter im Luftauslass, Bürogeräte, Kochen und Braten sowie offene Kamine. Eine Kerze steht damit nicht allein — im Alltag addieren sich mehrere Quellen, und die Summe entscheidet.
Was die Belastung senkt
- Lüften. Der mit Abstand wirksamste Hebel, während und nach dem Abbrennen.
- Weniger Kerzen gleichzeitig. Die Belastung skaliert mit der Zahl der Flammen.
- Ruhige Flamme. Docht auf etwa 5 mm, keine Zugluft. Eine flackernde Flamme verbrennt unvollständig und setzt mehr Partikel frei.
- Löschen statt auspusten. Beim Auspusten entsteht sichtbarer Rauch, also ein Schwall Partikel direkt in die Raumluft.
- Nicht im Schlafraum über längere Zeit, wo der Luftwechsel fehlt.
Was sich nicht wegoptimieren lässt
Kein Wachs und kein Docht verhindern Feinstaub vollständig. Jede Verbrennung setzt Partikel frei — das ist Physik, kein Qualitätsmerkmal. Wer mit einer partikelfreien Kerze wirbt, beschreibt kein Produkt, sondern eine Behauptung. Beeinflussbar ist die Menge, nicht das Prinzip.
Kurz gesagt
- Kerzen sind laut Umweltbundesamt eine relevante Innenraumquelle für Feinstaub.
- Die Anzahl der kleinsten Partikel kann sich um das 10- bis 20-Fache erhöhen.
- Massenmessungen wie PM2,5 unterschätzen ultrafeine Verbrennungspartikel.
- Wirksam: lüften, weniger Flammen, ruhige Flamme, löschen statt auspusten.
Quellen
- Feinstaub in Innenräumen, Umweltbundesamt
- Flüchtige organische Verbindungen, Bundesumweltministerium
- DIN EN 15426 — Rußverhalten von Kerzen, DIN
Verwandte Begriffe
- Kerzenruß
- Sind Duftkerzen schädlich?
- Warum Kerzen nicht auspusten
- Docht kürzen
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Geprüft und geschrieben von Dennis Beichert, Kerzenmacher aus Hünfelden. Letzte Prüfung: 14.09.2026.