Kerzenwachs
Kerzenwachs ist kein einzelner Stoff, sondern ein Sammelbegriff für alle Materialien, die sich als Brennstoff einer Kerze eignen: Sie sind bei Raumtemperatur fest, schmelzen bei mäßiger Wärme, sind im geschmolzenen Zustand dünnflüssig genug, um durch einen Docht aufzusteigen, und verbrennen dort möglichst rückstandsarm. Welche Rohstoffe das erfüllen, hat sich über die Zeit verschoben — von tierischen Fetten über Bienenwachs zum mineralischen Paraffin und heute wieder zunehmend zu pflanzlichen Wachsen.
Was Wachs zu Wachs macht
Der Begriff Wachs ist in der Chemie über Eigenschaften definiert, nicht über eine Stoffgruppe. Entscheidend ist das Verhalten: knetbar bis fest bei 20 °C, grob- bis feinkristallin, über 40 °C schmelzend ohne sich zu zersetzen, und wenig löslich in Wasser. Deshalb stehen unter demselben Wort Stoffe mit völlig verschiedener Herkunft.
Für Kerzen kommen zwei weitere Anforderungen hinzu, die im Alltag zählen: Das Material muss Kapillarkräfte im Docht zulassen — zu zähflüssiges Wachs erreicht die Flamme nicht — und es muss sauber verbrennen, also möglichst wenig Ruß und Rückstand bilden.
Die vier Herkunftsgruppen
- Mineralisch: Paraffin, aus Erdöl gewonnen. Seit dem 19. Jahrhundert das meistverwendete Kerzenmaterial.
- Pflanzlich: Sojawachs, Rapswachs, Kokoswachs — gehärtete Pflanzenöle.
- Tierisch: Bienenwachs, von Honigbienen gebildet. Historisch außerdem Talg und Walrat.
- Zusätze: Stearin, ein Fettsäuregemisch, das Kerzen härter macht. Es kann pflanzlicher oder tierischer Herkunft sein — siehe Sind Kerzen vegan?
Ein Vergleich der Eigenschaften steht auf Wachsarten im Vergleich, die Temperaturfrage auf Schmelzpunkt von Kerzenwachs.
Was beim Brennen tatsächlich passiert
Verbreitet ist die Vorstellung, der Docht sei der Brennstoff. Er ist es nicht. Der Docht saugt geschmolzenes Wachs nach oben; in der Hitze der Flamme verdampft es, und dieser Wachsdampf verbrennt — nicht das flüssige Wachs und nicht der Docht.
Nachprüfen lässt sich das mit einer frisch gelöschten Kerze: Der weiße Faden über dem Docht ist verdampftes Wachs. Hält man eine Flamme in diesen Faden, springt das Feuer durch ihn zurück auf den Docht, ohne dass man den Docht selbst berührt.
Wofür Kerzenwachs sonst verwendet wird
Außerhalb der Kerze findet Wachs breite Verwendung: als Imprägnierung für Holz und Textil, als Trennmittel, in Politur und Pflegemitteln, in der Bildhauerei und im Feinguss, und — bei entsprechender Reinheit — in Kosmetik und als Überzug für Lebensmittel. Das heißt aber ausdrücklich nicht, dass Kerzenwachs für diese Zwecke geeignet ist: Kerzenwachs ist nicht auf Hautverträglichkeit oder Lebensmittelkontakt geprüft und enthält in Duftkerzen zusätzlich Duftstoffe. Siehe Ist Kerzenwachs giftig?
Kurz gesagt
- Kerzenwachs ist ein Sammelbegriff, definiert über Eigenschaften, nicht über einen Stoff.
- Herkunft: mineralisch, pflanzlich oder tierisch — plus Zusätze wie Stearin.
- Es brennt der Wachsdampf, nicht der Docht und nicht das flüssige Wachs.
- Wachs allgemein hat viele Anwendungen; Kerzenwachs ist für keine davon geprüft.
Quellen
- Wachs — Wikipedia
- Kerze — Wikipedia
- Docht — Wikipedia
- DIN EN 15493 — Feuersicherheit von Kerzen, DIN Verbraucherrat
Verwandte Begriffe
- Wachsarten im Vergleich
- Schmelzpunkt von Kerzenwachs
- Ist Kerzenwachs giftig?
- Kerzendocht
- Sind Kerzen vegan?
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Geprüft und geschrieben von Dennis Beichert, Kerzenmacher aus Hünfelden. Letzte Prüfung: 14.09.2026.